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Geburt und Krankenhaus

Nach problemloser Schwangerschaft und zügiger Geburt erblickte ich im Februar 2007 das Licht dieser Welt. Zugegebenermaßen habe ich anfangs recht wenig geblickt sondern überwiegend geschlafen. Meinem Papa war durchaus aufgefallen, dass ich etwas komisch aussah, aber meine Mama meinte, dass ich wohl noch ziemlich zerknautscht sei. Wie auch immer, keiner verlor ein Wort über meine Besonderheit, aber unter den Schwestern der Wöchnerinnenstation wurde schon getuschelt. Trinken wollte ich auch nicht, und manchmal wurde ich auch etwas blau im Gesicht, so dass am folgenden Tag, als ohnehin der Kinderarzt da war, auch ich gleich vorgestellt wurde. Passenderweise mussten meine Mama und ich bis ganz zuletzt warten, und auch da hat man sich nicht so richtig getraut, mit der Sprache herauszurücken, sondern hat nur vorgeschlagen, mich ins Kinderkrankenhaus zu überweisen. Dann ging alles ganz schnell, und ruck zuck war ich mit Blaulicht unterwegs in ein anderes Krankenhaus (wenn mein Bruder das wüsste, würde er mich ganz schön beneiden). Im Krankenwagen hat man mir auch gleich Sauerstoff gegeben, so dass ich, als Mama und Papa dann nachkamen, schon ein wenig hungrig war – zum ersten Mal seit meiner Geburt, die ja schon mehr als 30 Stunden zurück lag.

Im Kinderkrankenhaus hat man dann gleich einige Untersuchungen gemacht und festgestellt, dass ich einige kleine Löcher in der Herzscheidewand habe, was man aber als nicht so besorgniserregend einstufte. Viel mehr Sorgen machte man sich darüber, dass der Sauerstoffgehalt im Blut zu niedrig war und suchte die Ursache. Dass ich ganz schön schniefte, war den Ärzten schon aufgefallen,  und nachdem sie mir eine Sonde in die Nase gestopft hatten, die aber nicht tiefer rutschte, war klar, dass der Durchgang durch die Nase auf einer Seite ganz geschlossen, und auf der anderen Seite ziemlich eng war. Dieses Problem konnte man hier nicht in den Griff kriegen. Aber mit Sauerstoff, Geduld und ziemlich viel Zutrauen der Ärzte zu mir kam ich über das Wochenende und wurde gleich am Montag in ein anderes Krankenhaus verlegt, das mein Nasenproblem lösen sollte (diesmal bin ich mit dem Taxi gefahren). Nach anfänglichen Problemen hat man in meine Nase Röhrchen eingelegt (da war ich genau eine Woche alt), hat mich auf der Intensivstation noch ein bisschen rundlicher gemacht, und dann durfte ich wieder – ihr glaubt es kaum – mit dem Rettungswagen zurück in das erste Krankenhaus fahren. Da war alles viel besser, ich durfte ins Wärmebett und war immer die Erste, die gefüttert wurde (Meckern lohnt sich eben doch). Getrunken habe ich übrigens nur Muttermilch, und mit dem Saugen an der Brust wurde es immer besser. Richtig schnell war ich aber nie, meine Mama sagt immer, sie habe nie wieder zu Hause so viele Bücher lesen können wie in dieser Zeit.

Nach gut drei Wochen Krankenhausaufenthalt hat man sich überlegt, dass man mich nach Hause entlassen könnte. Da ich ja die Röhrchen in der Nase und zumindest manchmal noch Sauerstoffbedarf hatte, erweiterte sich unser Hausstand um zahlreiche interessante Dinge: ein Pulsoximeter, bei dem man sich die Sonde immer abpulen konnte, und ruckzuck war Mama da, ein Absauggerät für meine Röhrchen in der Nase, mein Lieblingsspielzeug übrigens, auch heute noch, ein Sauerstoffkonzentrator, der einen prima Beistelltisch abgab, und eine Sauerstoffflasche für unterwegs. Nachdem ich mich an zu Hause gewöhnt hatte, ging es gleich los mit Krankengymnastik und Frühförderung. Bis auf eine ganz kurze Zeit habe ich immer nach Vojta geturnt. Zwischendurch war auch mal Bobath dran, aber da habe ich mich einfach ganz schwer gemacht und platt auf den Boden gelegt. Das waren total tolle Stunden. Allerdings hat mich meine Mama mal dabei erwischt, wie ich heimlich auf dem Wohnzimmerboden geübt habe (die Übungen, die ich machen sollte, habe ich mir nämlich gut gemerkt). Da war es dann vorbei mit dem Abhängen, und ich musste wieder schwitzen. Dagegen war die Frühförderung viel angenehmer.

Die Schnellste war ich nie, und so konnte ich noch nicht sitzen, als mein Bruder 16 Monate später geboren wurde. Mein Bruder war ein Fresssack (na gut, ich auch) und so gingen bald die Wetten los, wann er mich denn überholen würde.  Sitzen und Krabbeln konnte ich früher, aber mit dem Laufen war er fast ein halbes Jahr vor mir dran. Dafür habe ich von heute auf morgen Laufen gelernt – erst sechs Monate immer nur drei Schritte (man muss seine Eltern ja in Sicherheit wiegen) und dann habe ich sie morgens damit überrascht, dass ich durch die ganze Wohnung laufen konnte. Und weil ich mir das alles so lange angeguckt hatte, bin ich über keine einzige Schwelle und keinen Teppichrand gestolpert (auch das würde meinen Bruder neidisch machen, der ist bei sowas anfangs immer hingefallen).

 Kindergartenzeit

Meine Eltern waren sich schon früh sicher, dass eine Integration im Kindergarten für mich das Beste sei. Ich gucke nämlich immer ganz genau zu, und alle dachten, dass ich von anderen Kindern ganz viel lernen könne.  Ein bisschen Sorgen hatte Mama ja schon, weil ich noch ziemlich klein und fünf Monate vor Kindergartenbeginn noch am Rumkrabbeln war. Letzteres änderte sich ja schlagartig, und wegen meiner Kleinheit bekam ich einen extra Stuhl, ein Podest vor Waschbecken und Klo und einen Garderobenhaken am Rand, damit ich auf die Bank klettern konnte – denn Aufhängen wollte ich meine Jacke ja selbst. Im ersten Jahr im Kindergarten habe ich ganz viel mit den „Großen“ gespielt und einige auch besucht. Das war ganz schön spannend, denn natürlich gab es da keine Treppenschutzgitter und extra niedrige Geländer an der Treppe. Ich habe es aber geschafft, nie runterzufallen. Als ich dann älter wurde, habe ich gerne mit den Kleinen gespielt.

 Einschulung

Kindergarten war klasse, aber ich habe mich auch auf die Schule gefreut. Glücklicherweise darf ich in die Grundschule hier im Ort gehen. Eine Frau bringt mich morgens hin, bleibt den ganzen Tag da und hilft mir, und bringt mich dann auch wieder nach Hause. Am liebsten mag ich Sport, gar nicht mag ich Rechnen. Bis zu den Herbstferien habe ich die Buchstaben kennengelernt (ich konnte viele aber auch schon vorher), nur das Schreiben finde ich noch ziemlich schwierig. Meine Lehrerinnen sagen aber, dass ich einige Dinge genauso gut kann wie alle anderen Kinder auch. Jetzt freue ich mich auf den Laternenumzug.

 Gesundheit

Meine größten Probleme sitzen rechts und links neben meiner Nase. Die macht zwar auch Probleme, aber das ist nicht ganz so schlimm, und inzwischen bin ich im Absaugen meiner Nase Profi. Aber meine Ohren, die sind nicht meine Freunde. Ständig steht das Wasser in ihnen, und andauernd müssen neue Paukenröhrchen gesetzt werden. Mein Körper und ich wissen nämlich, dass wir Paukenröhrchen nicht mögen, und deshalb lässt mein Körper immer sich die Ohren entzünden, und schwupps sind die Dinger wieder draußen. Mit den Röhrchen muss man beim Schwimmen so aufpassen, und das will ich nicht, denn Schwimmen finde ich total klasse. Meine Mama lässt mich jetzt immer ohne alle Vorsichtsmaßnahmen schwimmen, und jetzt läuft alles viel besser (Mama sagt, dass der Ohrenarzt das hier besser nicht lesen sollte). So richtig gut hören kann ich nicht, und mit den ständigen Paukenergüssen und laufenden Ohren war alles nicht so einfach. Vielleicht komme ich deshalb mit dem Sprechen auch nicht so gut zurecht. Als ich kleiner war, habe ich GuK-Karten bekommen. Das war super, denn endlich konnte ich mich verständlich machen. Und irgendwann erübrigten sich die Karten, weil ich die einfachen Worte sprechen konnte. Für schwierige und komplizierte Dinge denke ich mir aber schon mal neue Gebärden aus. Und wenn das alles auch nichts hilft, dann schleppe ich die Leute immer dahin, wo sie hinsollen.

Ansonsten habe ich zwischendurch mit dem Wachsen ganz aufgehört, damit ich mal neue Krankenhäuser kennenlerne. Jetzt wachse ich aber wieder ganz normal langsam, und das ist gut, denn so komme ich endlich auch an die interessanten Dinge ran (vorher musste ich mir immer einen Stuhl ranschieben, das war ganz schön mühsam). Meine Löcher in der Scheidewand sind übrigens bis auf eins ganz zugewachsen, und das eine ist so klein, dass der Kardiologe mich schon lange nicht mehr gesehen hat. Ich trage übrigens eine Brille, weil ich ein bisschen weitsichtig bin. Jetzt bin ich schon ziemlich groß, und deshalb macht es auch nicht mehr so viel Spaß, die Brille zu verstecken. Aber kurz vorm Ende meiner Kindergartenzeit haben doch Bauarbeiter beim Neubau eines Hauses auf dem Grundstück neben dem Kindergarten eine meiner alten Brillen gefunden, die ich mal über den Zaun geworfen hatte. Mama hat nicht schlecht gestaunt, zumal selbst die Gläser noch intakt waren. Und meine Erzieher hatten die Brille doch tatsächlich ungeputzt überreicht, weil sie es auch nicht glauben konnten.

 Freunde

Am liebsten spiele ich mit den Nachbarskindern. Da wir in einer Spielstraße wohnen, können wir auf der Straße herumtoben, Laufrad fahren und Ballticker spielen. Das mit dem Laufrad hat ziemlich lange gedauert, aber jetzt bin ich genauso schnell wie mein Bruder auf dem Fahrrad (der fährt dann auch lieber Laufrad, weil er so schneller ist als ich). Als ich klein war, wollte ich lieber drin bleiben, aber meine Mama hat darauf bestanden, dass ich raus soll. Jetzt bin ich jeden Tag auch bei Regen draußen und spiele am liebsten Fußball. Wenn ich noch etwas größer bin, dann darf ich mal bei den Fußballmädchen mitspielen, sagt Mama. Ganz lange schon gehe ich mindestens einmal in der Woche ins Hallenbad. Die großen Schwimmerkinder von Mama und Papa können schon ohne Schwimmgürtel schwimmen, das möchte ich irgendwann auch. Und wenn Mama es endlich erlaubt, möchte ich auch mal vom 3 m-Brett springen

Das wars erstmal, was ich so über mich schreiben kann. Wenn ich lesen oder schwimmen kann, dann werde ich euch das erzählen.

 

Eure Rieke
(6 ½ Jahre alt, freie Trisomie 21, ASD II, Choanalatresie)

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